Literatur in der Lounge 2017

Literatur im Gespräch

Mit der Veranstaltungsreihe »Literatur in der Lounge« stellt der Fachbereich »Literatur & Medien« in loser Reihenfolge Autorinnen und Autoren und ihre jüngsten Bücher vor. An vier Abenden im Januar, Februar und März präsentieren Schriftstellerinnen und Schriftsteller ihre Werke und erzählen vom Schreiben, von Motiven, Motivationen und dem Leben als frei- oder nebenberuflicher Autor.

Bekannte Autorinnen und Autoren stehen neben weniger bekannten, moderne Erzählweisen neben traditionellen, fantastisches neben realistischem Erzählen, autobiografisch geprägte Romane neben reiner Fiktion. Jeder Abend dieser kleinen Reihe vermittelt einen Eindruck in die spannende Vielfalt zeitgenössischer Literatur. 

 

BEGINN                              
jeweils um 19.30 Uhr | Einlass 19.00 Uhr

EINTRITT                     
VVK 9,00 € | 6,00 € erm. [zzgl. VVK.-Gebühr 0,90 € | 0,60 €]
AK 10,00 € | 7,00 €

Karten können in der Buchhandlung Goeser, der Coburg´schen Buchhandlung, der Buchhandlung Liesegang in Rendsburg, bei der Touristeninformation in Rendsburg sowie im Nordkolleg Rendsburg erworben werden.

Weitere Informationen zur Lesereihe erhalten Sie direkt beim Nordkolleg Rendsburg bei Britta Lange.
britta.lange(at)nordkolleg.de | Telefon: 04331-1438 11.

Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar
Das Unglück anderer Leute von Nele Pollatschek
Morgen mehr von Tilman Rammstedt
Muttermale von Arnon Grünberg

Termine

Do, 26.01.2017: »Nachts ist es leise in Teheran«. Lesung und Gespräch mit Shida Bazyar.

Shida Bazyar | Foto © Joachim Gern
Nachts ist es leise in Teheran von Shida Bazyar

»Ein herausragender literarischer Roman über Unterdrückung, Flucht, Hoffnung und Integration.« [verdi Publik Mitgliederzeitung]


In »Nachts ist es leise in Teheran« [Kiepenheuer & Witsch, 2016] erzählt Shida Bazyar mit zarten poetischen Tönen die Geschichte einer iranischen Familie, die 1979 nach der Revolution aus dem Iran nach Deutschland flieht. In vier Kapiteln, die den Zeitraum von vier Jahrzehnten umfassen, spannt sie den Bogen von 1979 bis zur Gegenwart. In jeder Dekade wechselt der Erzähler, und jeder Erzähler hat seinen eigenen, zarten Ton: Der kommunistische Revolutionär Behsad, der 1979 im Iran für eine neue Ordnung kämpft, seine Frau Nahid, die 1989 nach der Flucht in der deutschen Provinz eine neue Heimat sucht, sowie ihre Kinder Laleh, Mo und Tara, die in Deutschland aufwachsen und das Land ihrer Eltern erst spät kennenlernen. Shida Bazyar gelingt ein dichtes, zartes und mitreißendes Familienmosaik. Und ein hochaktueller, bewegender Roman über Revolution, Unterdrückung, Widerstand und den unbedingten Wunsch nach Freiheit.

Shida Bazyar, geboren 1988 in Hermeskeil, studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim, bevor sie nach Berlin zog, um ein Doppelleben zu führen. Halbtags ist sie Bildungsreferentin für junge Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in Brandenburg machen, die verbleibende Zeit verbringt sie als Autorin. Neben Veröffentlichungen von Kurzgeschichten in Zeitschriften und Anthologien war sie Stipendiatin des Klagenfurter Literaturkurses 2012 und Studienstipendiatin der Heinrich-Böll-Stiftung.

Für ihren Debütroman »Nachts ist es leise in Teheran« erhielt sie den Ulla-Hahn-Autorenpreis. Darüber hinaus stand ihr Werk auf der Shortlist für den »aspekte«-Literaturpreis.

Mi, 01.02.2017: »Das Unglück anderer Leute«. Lesung und Gespräch mit Nele Pollatschek.

Nele Pollatschek | Foto © Martin Phox
Das Unglück anderer Leute von Nele Pollatschek

»Ein kluges, überraschendes und unbedingt lesenswertes Debüt, das danach schreit, verfilmt zu werden.« [WDR5]

 

Die Heldin in Nele Pollatscheks Roman »Das Unglück anderer Leute« [Galiani 2016], Oxfordstudentin mit Zweitwohnsitz im Odenwald führt eigentlich ein glückliches Leben.

Leider fällt in ihr Odenwaldidyll immer wieder ein, was sie nur in kleinen Dosen verträgt: ihre verrückt gewordene, unkonventionelle Patchwork-Familie. Allen voran ihre Mutter, eine Punkerin und Weltretterin gefolgt von ihrem schwulen Vater und einer ganzen Schar abgelegter Stiefväter.  Als die Masterverleihung in Oxford ansteht reist die Familie wie selbstverständlich an und damit nimmt das Schicksal?, der Zufall? seinen Lauf und wirbelt das Leben der Heldin Thene gehörig durcheinander.

In ihrem originellen Roman spielt Nele Pollatschek auf verblüffende Weise mit Statistik und Magie - und erzählt dabei eine turbulente, hochkomische und tieftraurige Geschichte vom Schicksalsschlag, eine Familie zu haben.

 

»Selten habe ich ein so fabelhaftes Debüt gelesen: Da betritt eine Mittzwanzigerin die literarische Bühne und legt mit so viel Tempo, Witz und Lässigkeit los, eine Geschichte über durchgeknallte Alt-68er-Eltern zu erzählen, dass man aus dem Lachen und Staunen gar nicht mehr herauskommt. (...) Nele Pollatschek ist eine großartige neue Stimme in der deutschen Gegenwartsliteratur, sie kann erzählen, sie hat Witz und ihr gelingen unerhört gescheite, scharfe Beobachtungen.« [Elke Heidenreich]

 

Nele Pollatschek lebt im Odenwald und in Oxford. Sie wurde 1988 in Ost-Berlin geboren, hat einige Zeit später Englische Literatur und Philosophie in Heidelberg, Cambridge und Oxford studiert. Sie arbeitet als Dozentin und promoviert gerade über das Problem des Bösen in der Literatur.

Do, 16.02.2017: »Morgen mehr«. Lesung und Gespräch mit Tilman Rammstedt.

Tilman Rammstedt | Foto © Carolin Saage
Morgen mehr von Tilman Rammstedt

Wenn Tilman Rammstedt einen Roman schreibt, sehen wir plötzlich, »Tränen lachend, hinter der irrwitzigen Fassade eine tiefe Wahrheit« [F.A.Z.].

 

»Ich weiß ja schon alles. Ich weiß, wie alles werden wird und mache mir dennoch Sorgen, weil man mit Sorgen nie verkehrt liegt. Ich weiß, dass ich knapp dreihundert Meter über dem Erdboden zur Welt komme…»

 

Anfang 1972: Sein ganzes Leben liegt noch vor dem Erzähler. Er sieht es schon genau vor sich und freut sich darauf. Das Problem ist nur: Er ist noch nicht geboren worden. Um genau zu sein, er ist noch nicht einmal gezeugt worden. Seine zukünftigen Eltern wissen noch nichts voneinander und beide haben im Moment ganz andere Sorgen: Seine Mutter ist im Begriff, einem schwermütigen Südfranzosen zu verfallen, sein Vater wird gerade mit einbetonierten Füßen in den Main geworfen. Wie es dem Erzähler gelingt, seine zukünftigen Eltern durch herzzerreißend komische wie atemlos traurige Abenteuer zusammenzubringen und sich den Start ins Leben zu sichern, ist ein Feuerwerk des Fabulierens.

 

Ebenso temporeich wie die gewitzte, originelle Handlung des Romans, war auch seine Entstehung: «Morgen mehr« entstand – unter den kritischen Augen der Mitlesenden -  als täglicher Fortsetzungsroman im Internet.

 

Tilman Rammstedt, [*geboren 1975 in Bielefeld] für seine Romane vielfach und unter anderem . mit dem Haupt- und Publikumspreis des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs ausgezeichnet, zählt seit »Der Kaiser von China«(2008) zur ersten Reihe der neuen deutschen Literatur. 2004 war er im Rahmen eines Stipendiatenseminars erstmals zu Gast im Nordkolleg. Seitdem hat bereits mehrere begeisternde Lesungen in Rendsburg gehabt. Tilman Rammstedt lebt in Berlin.

Di, 14.03.2017: »Muttermale«. Lesung und Gespräch mit Arnon Grünberg.

Arnon Grünberg | Foto © Bettina Fürst-Fastré
Muttermale von Arnon Grünberg

»Ein berührender, gnadenlos komischer Roman über die Spielarten der Liebe und das ewige Band zwischen Mutter und Sohn.«

In seinem jüngsten Werk »Muttermale« erzählt Grünberg von zwei Menschen, die aneinander gebunden sind, die ohne einander nicht leben und nicht sterben können und die eine unendliche Liebe eint: Mutter und Sohn.

Der Psychiater Otto Kadoke muss sich nach einem Übergriff gegenüber einer Pflegerin selbst um seine pflegebedürftige Mutter kümmern und zieht wieder in das Elternhaus ein. Diese Aufgabe ist für ihn eine persönliche wie berufliche Grenzerfahrung. Er sucht nach Wegen, der neuen Situation Herr zu werden, und gerät in immer neue Turbulenzen, die Verdrängungen und Selbstbetrug in der Pflegesituation entlarven und auch sein berufliches Leben durcheinander bringen.

Vor diesem Hintergrund erzählt Grünberg gewohnt temporeich und komisch-ironisch die berührende Geschichte einer intensiven Mutter-Sohn-Beziehung.

Arnon Grünberg wurde 1971 als Arnon Yasha Yves  in Amsterdam geboren. Seine Bücher wurden mit allen großen niederländischen Literaturpreisen ausgezeichnet. 2002 erhielt er den NRW Literaturpreis für sein Gesamtwerk. Neben seinen literarischen Arbeiten schreibt Arnon Grünberg einen Blog sowie eine tägliche Kolumne für die Titelseite von De Volkskrant.  Er verfasst Theaterstücke und Reportagen und war mehrfach als „embedded journalist“ im Irak und in Afghanistan. Sein Werk erscheint in 27 Sprachen. Zurzeit lebt er in New York.

Die Lesung von Arnon Grünberg am 14. März wird vom »Nederlands Letterenfonds // Dutch Foundation for Literature« unterstützt.

ALLE VERANSTALTUNGSTERMINE:

DO, 26.01.2017           »Nachts ist es leise in Teheran« Lesung und Gespräch mit Shida Bazyar

MI, 01.02.2017            »Das Unglück der anderen« Lesung und Gespräch mit Nele Pollatschek

DO, 16.02.2017           »Morgen mehr« Lesung und Gespräch mit Tilman Rammstedt

DI, 14.03.2017            »Muttermale« Lesung und Gespräch mit Arnon Grünberg